Drei Stunden für drei Meter Rampe

Drei Stunden. So lange haben Sie beim letzten Mal gebraucht, um Ihr Pferd auf den Anhänger zu bekommen. Der Schweiß lief, die Nerven lagen blank, und am Ende standen beide erschöpft da – Mensch und Tier gleichermaßen. Vielleicht kennen Sie genau diese Situation. Oder Sie stehen erst am Anfang und möchten es von vornherein richtig machen.

Verladetraining gehört zu den Themen, die viele Pferdebesitzer unterschätzen. Dabei kann eine plötzliche Kolik, ein Stallwechsel oder ein Turnier jederzeit einen Transport nötig machen. Wer dann erst mit dem Üben beginnt, steht unter Zeitdruck. Und Zeitdruck ist der größte Feind beim Arbeiten mit Pferden.

Dieser Artikel erklärt Ihnen alles, was Sie als Einsteiger über das Verladetraining wissen müssen. Sie erfahren, warum Pferde den Anhänger meiden, wie Sie Vertrauen aufbauen und welche Schritte zum entspannten Verladen führen. Dabei brauchen Sie kein Vorwissen. Jeder Fachbegriff wird sofort verständlich erklärt.

Was genau ist Verladetraining?

Verladetraining bezeichnet das systematische Üben des Einsteigens in einen Pferdeanhänger oder Transporter. Stellen Sie sich vor, jemand würde Sie bitten, in eine dunkle, enge Kiste zu steigen, die wackelt und seltsam riecht. Genauso fühlt sich ein unvorbereitetes Pferd vor dem Anhänger. Das Ziel des Trainings ist es, dieses Unbehagen Schritt für Schritt abzubauen.

Im Kern geht es beim Verladetraining um Vertrauensarbeit. Das Pferd lernt, dass der Anhänger kein bedrohlicher Ort ist. Es lernt, dem Menschen zu vertrauen, der es hineinführt. Und es lernt, seine eigene Angst zu überwinden. Dieses Training ist ein fester Bestandteil der Pferdeausbildung und Training, weil es weit über das bloße „Rauf auf den Hänger“ hinausgeht.

Im Grunde basiert gutes Verladetraining auf vier Elementen, die ineinandergreifen. Erstens: Vertrauen zwischen Pferd und Mensch. Zweitens: schrittweise Gewöhnung an den Anhänger. Drittens: klare Kommunikation durch Ihre Körpersprache. Viertens: konsequentes Belohnen richtiger Reaktionen. Wenn eines dieser Elemente fehlt, wird der gesamte Prozess schwieriger.

Warum Pferde den Anhänger meiden

Um das Verladetraining zu verstehen, müssen Sie zuerst das Pferd verstehen. Pferde sind Fluchttiere. Das bedeutet: Bei Gefahr laufen sie weg. Ihr gesamter Instinkt sagt ihnen, dass sie offene Räume benötigen, um sich sicher zu fühlen. Ein Anhänger ist das genaue Gegenteil – eng, dunkel und ohne Fluchtweg.

Dazu kommt die Rampe. Pferde treten ungern auf Untergründe, die hohl klingen oder nachgeben. In der Natur wäre ein solcher Boden ein Zeichen für Gefahr – ein Loch oder instabiler Grund. Wenn Hufe auf die Metallrampe treffen und es hallt, löst das bei vielen Pferden sofort Misstrauen aus.

Auch Gerüche spielen eine Rolle. Pferde haben einen ausgeprägten Geruchssinn. Der Anhänger riecht nach Metall, Gummi und manchmal nach dem Schweiß anderer Pferde. All diese Eindrücke zusammen ergeben für das Pferd ein Warnsignal. Deshalb ist es so wichtig, das Training ruhig und ohne Druck aufzubauen.

Typische Stresssignale erkennen

Bevor Sie mit dem Training beginnen, sollten Sie die Stresssignale Ihres Pferdes kennen. So können Sie rechtzeitig reagieren und Überforderung vermeiden. Ein gestresstes Pferd lernt nicht – es überlebt nur.

  • Kopf hoch, Nüstern weit geöffnet – erhöhte Wachsamkeit

  • Schweif eingeklemmt – Angst oder Unsicherheit

  • Scharren mit den Hufen – Unruhe und Frustration

  • Rückwärtstreten oder Herumdrehen – Fluchtversuch

  • Ohren flach angelegt – Abwehr oder starkes Unbehagen

  • Vermehrtes Äppeln oder Schnauben – Anspannung im Körper

Wenn Sie diese Zeichen wahrnehmen, machen Sie einen Schritt zurück im Training. Gehen Sie zu der Übung zurück, bei der Ihr Pferd noch entspannt war. Das klingt nach einem Umweg, spart Ihnen aber langfristig Wochen an Arbeit.

Vertrauen als Fundament des Verladetrainings

Die wichtigste Zutat für erfolgreiches Verladetraining kann nicht gekauft werden: Vertrauen. Ihr Pferd muss Ihnen glauben, dass der Anhänger sicher ist. Dieses Vertrauen entsteht nicht am Anhänger selbst, sondern in Ihrem täglichen Umgang.

Denken Sie an einen engen Freund, der Sie überredet, etwas Neues auszuprobieren. Sie vertrauen ihm, weil er Sie in der Vergangenheit nie enttäuscht hat. Genauso funktioniert die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Pferd. Wenn Sie im Alltag konsequent, fair und berechenbar sind, wird Ihr Pferd Ihnen auch in schwierigen Situationen folgen.

Bodenarbeit ist deshalb ein hervorragender Einstieg. Bei der Bodenarbeit üben Sie Führen, Anhalten und Rückwärtstreten – alles Fähigkeiten, die Sie später am Anhänger benötigen. Natural Horsemanship bietet hierfür bewährte Methoden, die auf gegenseitigem Respekt statt auf Zwang basieren. Wenn Ihr Pferd am Boden gut auf Ihre Körpersprache reagiert, wird das Verladen deutlich einfacher.

Übungen für den Vertrauensaufbau

Bevor der Anhänger überhaupt ins Spiel kommt, können Sie einfache Vertrauensübungen in Ihren Alltag einbauen. Diese Übungen bereiten Ihr Pferd auf die Herausforderungen beim Verladen vor, ohne es zu überfordern.

  • Führtraining über verschiedene Untergründe – Matten, Planen, Sand, Kies

  • Ruhiges Stehenbleiben in neuen Umgebungen – Geduld belohnen

  • Hindernisse gemeinsam erkunden – Ihr Pferd darf schnüffeln und schauen

  • Berührungen am ganzen Körper – besonders an den Beinen und der Brust

  • Enge Durchgänge passieren – zwischen Gegenständen hindurchführen

Jede dieser Übungen trainiert eine Fähigkeit, die Ihr Pferd am Anhänger benötigt. Das Gehen über verschiedene Böden bereitet auf die Rampe vor. Das ruhige Stehen ist im Anhänger unverzichtbar. Enge Durchgänge simulieren die Situation beim Einsteigen.

Desensibilisierung – Schritt für Schritt an den Anhänger gewöhnen

Desensibilisierung bedeutet, ein Pferd schrittweise an etwas zu gewöhnen, das es zunächst als bedrohlich empfindet. Der Fachbegriff klingt kompliziert, das Prinzip ist jedoch einfach: Sie nähern sich dem Angstauslöser in winzigen Schritten. Jeder Schritt wird erst dann gesteigert, wenn das Pferd den vorherigen entspannt meistert.

Stellen Sie sich vor, Sie haben Höhenangst. Niemand würde Sie auf einen Kirchturm schicken und erwarten, dass die Angst verschwindet. Stattdessen würden Sie zuerst auf einen Hocker steigen, dann auf eine Leiter, dann auf einen Balkon. Genau dieses Prinzip wenden Sie beim Verladetraining an.

Beginnen Sie damit, Ihr Pferd einfach nur in die Nähe des Anhängers zu führen. Lassen Sie es dort stehen und grasen. Am nächsten Tag gehen Sie einen Schritt näher. Irgendwann schnüffelt es an der Rampe. Dann setzt es einen Huf darauf. Dieser Prozess kann Tage oder Wochen dauern – das ist völlig in Ordnung.

Der Trainingsaufbau in der Praxis

Ein bewährter Trainingsaufbau sieht folgendermaßen aus: Beachten Sie: Die Dauer jeder Phase hängt von Ihrem Pferd ab. Manche Pferde schaffen mehrere Phasen an einem Tag, andere benötigen für jede Phase mehrere Sitzungen.

  • Phase 1 – Annäherung: Führen Sie Ihr Pferd in etwa zehn Meter Entfernung am Anhänger vorbei. Belohnen Sie ruhiges Verhalten mit Stimmlob oder einem Leckerli.

  • Phase 2 – Erkundung: Bleiben Sie direkt vor dem geöffneten Anhänger stehen. Lassen Sie Ihr Pferd schauen, schnüffeln und den Kopf hineinstrecken.

  • Phase 3 – Rampenkontakt: Führen Sie Ihr Pferd so, dass die Vorderhufe die Rampe berühren. Belohnen Sie sofort und gehen Sie wieder weg.

  • Phase 4 – Teilweises Betreten: Ihr Pferd steht mit den Vorderbeinen auf der Rampe oder im Anhänger. Kurz loben, dann rückwärts wieder herausführen.

  • Phase 5 – Vollständiges Einsteigen: Ihr Pferd betritt den Anhänger komplett. Kurz stehen bleiben, belohnen, rückwärts hinausführen.

  • Phase 6 – Stange und Klappe: Erst jetzt schließen Sie die Sicherheitsstange und später die Rampe. Immer mit Ruhe und Lob.

  • Phase 7 – Standzeit verlängern: Ihr Pferd steht zunehmend länger im geschlossenen Anhänger. Füttern Sie Heu, damit eine positive Verknüpfung entsteht.

Dieser Aufbau klingt vielleicht langsam. Tatsächlich ist er der schnellste Weg zu einem Pferd, das gelassen und freiwillig einsteigt. Abkürzungen führen fast immer zu Rückschritten, die am Ende mehr Zeit kosten als das geduldige Training.

Positive Verstärkung – Warum Belohnung besser wirkt als Druck

In der Lernpsychologie – also der Wissenschaft davon, wie Lebewesen lernen – unterscheidet man verschiedene Methoden. Beim Verladetraining hat sich positive Verstärkung als besonders wirksam erwiesen. Positive Verstärkung bedeutet: Sie belohnen erwünschtes Verhalten, statt unerwünschtes zu bestrafen.

Warum funktioniert das so gut? Wenn ein Pferd auf den Anhänger steigt und sofort etwas Angenehmes passiert, speichert sein Gehirn: „Anhänger = gut“. Bei Druck und Zwang speichert es hingegen: „Anhänger = Stress“. Das Pferd steigt dann vielleicht trotzdem ein, aber aus Angst – nicht aus Überzeugung. Beim nächsten Mal wird es noch schwieriger.

Belohnungen können ganz unterschiedlich aussehen. Leckerlis sind am offensichtlichsten, aber nicht die einzige Möglichkeit. Stimmlob, Kraul-Pausen an der Lieblingsstelle oder einfach das Nachlassen von Druck gehören ebenfalls dazu. Wichtig ist, dass die Belohnung sofort kommt. Pferde können eine Verknüpfung zwischen Verhalten und Belohnung nur innerhalb von etwa drei Sekunden herstellen.

Timing ist alles

Stellen Sie sich vor, Sie machen bei der Arbeit etwas richtig, aber Ihr Chef lobt Sie erst zwei Wochen später. Sie würden kaum verstehen, wofür das Lob gedacht war. Genauso ergeht es Ihrem Pferd bei verspäteter Belohnung. Das Timing muss stimmen, damit Ihr Pferd versteht, welches Verhalten Sie sich wünschen.

In der Praxis bedeutet das: Sobald Ihr Pferd einen Schritt auf die Rampe setzt, kommt das Lob. Nicht nach dem zweiten Schritt. Nicht nach dem dritten. Sofort beim ersten. Ein Clicker – ein kleines Gerät, das ein deutliches Klick-Geräusch macht – kann dabei helfen, den exakten Moment zu markieren. Viele Trainer nutzen dieses Hilfsmittel aus dem Bereich der Bodenarbeit mit großem Erfolg.

Ihre Körpersprache als Schlüssel

Pferde sind Meister im Lesen von Körpersprache. Sie nehmen kleinste Veränderungen in Ihrer Haltung, Atmung und Muskelspannung wahr. Dadurch spiegeln sie häufig den emotionalen Zustand ihres Menschen. Wenn Sie nervös sind, wird Ihr Pferd ebenfalls nervös.

Beim Verladetraining bedeutet das: Achten Sie bewusst auf Ihren eigenen Körper. Atmen Sie ruhig und tief. Halten Sie Ihre Schultern entspannt. Gehen Sie mit weichen, gleichmäßigen Schritten. Ihr Körper erzählt Ihrem Pferd eine Geschichte – sorgen Sie dafür, dass es eine ruhige Geschichte ist.

Die Führposition spielt ebenfalls eine zentrale Rolle. Gehen Sie neben der Schulter Ihres Pferdes, nicht davor und nicht dahinter. Wenn Sie vorausgehen, ziehen Sie. Wenn Sie hinter dem Pferd stehen, erzeugen Sie Druck. Beides kann beim Verladen hinderlich sein. Neben der Schulter kommunizieren Sie auf Augenhöhe – weshalb diese Position ideal für die gemeinsame Arbeit am Anhänger ist.

Was tun, wenn Ihr Pferd „Nein“ sagt?

Es wird Momente geben, in denen Ihr Pferd stehen bleibt und nicht weitergehen möchte. Das ist kein Trotz, sondern ein ehrliches Signal. Ihr Pferd teilt Ihnen mit, dass seine Angst gerade größer ist als sein Vertrauen. Respektieren Sie dieses Signal.

Bleiben Sie in solchen Momenten ruhig stehen. Üben Sie keinen Druck aus. Warten Sie einfach. Oft reicht es, dem Pferd zehn bis zwanzig Sekunden Zeit zu geben. Sobald es auch nur ein klein wenig entspannt – zum Beispiel den Kopf senkt oder abkaut – loben Sie und beenden die Übung. Morgen versuchen Sie es erneut.

Der richtige Anhänger für das Training

Nicht jeder Anhänger eignet sich gleich gut für das Verladetraining. Helle, großzügige Modelle sind für Anfängerpferde leichter zu akzeptieren als dunkle, enge Konstruktionen. Einige Faktoren können Sie direkt beeinflussen, um das Training zu erleichtern.

Merkmal

Trainingsfreundlich

Eher hinderlich

Innenraum

Hell, geräumig, gut belüftet

Dunkel, eng, stickig

Rampe

Flacher Winkel, rutschfester Belag

Steiler Winkel, glatte Oberfläche

Einstieg

Breite Öffnung, gute Sicht

Schmale Öffnung, schlechte Sicht

Boden

Stabil, gedämmt, kein Nachhall

Dünn, hallt bei jedem Tritt

Beleuchtung

Natürliches Licht durch Fenster

Keine Fenster, künstliches Licht

Falls Sie keinen eigenen Anhänger besitzen, fragen Sie im Reitstall nach. Viele Pferdebesitzer stellen ihren Hänger gerne für Trainingszwecke zur Verfügung. Ein frei stehender Anhänger auf dem Stallgelände – ohne Zugfahrzeug – ist ideal zum Üben, weil er stabiler steht und weniger wackelt.

Die Vorbereitung des Anhängers gehört zur Transportvorbereitung und wird oft unterschätzt. Legen Sie frische Einstreu auf den Boden, öffnen Sie alle Fenster und Klappen für gutes Licht, und stellen Sie sicher, dass die Rampe rutschfest ist. Je einladender der Anhänger wirkt, desto leichter fällt Ihrem Pferd der erste Schritt.

Häufige Fehler beim Verladetraining – und wie Sie sie vermeiden

Auch mit den besten Absichten schleichen sich Fehler ein. Die meisten entstehen aus Ungeduld oder Unwissen. Wenn Sie diese typischen Stolperfallen kennen, können Sie sie bewusst umgehen.

Zu viel auf einmal wollen

Der häufigste Fehler ist Überforderung. Das Pferd soll beim ersten Versuch komplett einsteigen, die Klappe wird geschlossen, und los geht die Fahrt. Für das Pferd ist das, als würde man ein Kind beim ersten Schwimmunterricht ins tiefe Becken werfen. Teilen Sie den Prozess in viele kleine Erfolge auf. Jeder kleine Erfolg stärkt das Selbstvertrauen Ihres Pferdes.

Unter Zeitdruck trainieren

Verladetraining benötigt Zeit. Wenn Sie in zwanzig Minuten beim Tierarzt sein müssen, ist das kein guter Moment zum Üben. Trainieren Sie immer dann, wenn Sie keinen Termin haben und nichts Bestimmtes erreichen müssen. Diese Druckfreiheit überträgt sich direkt auf Ihr Pferd.

Gewalt und Zwang einsetzen

Schlagen, schieben, Seile hinter dem Pferd spannen – solche Methoden erzeugen kurzfristig vielleicht ein Ergebnis. Langfristig zerstören sie das Vertrauen. Ein Pferd, das mit Gewalt verladen wurde, wird beim nächsten Mal noch mehr Widerstand zeigen. Im schlimmsten Fall entwickelt es eine echte Verladeangst, die nur mit professionellem Korrekturtraining wieder abgebaut werden kann.

Erfolge nicht anerkennen

Manchmal übersehen Reiter kleine Fortschritte, weil sie auf das große Ziel fixiert sind. Aber jeder Schritt Richtung Anhänger ist ein Erfolg. Jedes entspannte Schnuppern an der Rampe verdient Anerkennung. Wenn Sie diese Momente feiern, motivieren Sie Ihr Pferd für den nächsten Schritt.

Nur am Verladen arbeiten

Verladetraining sollte kein isoliertes Thema sein. Es ist ein Teil der gesamten Pferdeausbildung und des Trainings. Die Fähigkeiten, die Ihr Pferd beim Verladen benötigt – Vertrauen, Gehorsam, Gelassenheit – entwickeln sich im täglichen Umgang. Gymnastizierung, Führarbeit und gemeinsame Erlebnisse schaffen die Basis, auf der gutes Verladetraining aufbaut.

Spezialfall: Junge Pferde und Pferde mit schlechten Erfahrungen

Nicht jedes Pferd startet bei null. Manche haben bereits negative Erlebnisse mit dem Anhänger gemacht. Andere – besonders Jungpferde – kennen den Anhänger noch gar nicht. Beide Gruppen benötigen einen angepassten Ansatz.

Jungpferde ans Verladen heranführen

Junge Pferde haben den Vorteil, dass sie noch keine schlechten Erfahrungen gesammelt haben. Sie sind neugierig und lernwillig. Im Rahmen der Jungpferdeausbildung lässt sich das Verladetraining wunderbar integrieren. Beginnen Sie früh, aber ohne Eile. Schon Fohlen können lernen, ihrer Mutter in den Anhänger zu folgen – eine natürliche und stressfreie Methode.

Bei Jungpferden ist die Neugier Ihr größter Verbündeter. Stellen Sie den Anhänger auf die Weide oder in den Auslauf. Viele junge Pferde werden von selbst hineingehen, wenn sie genug Zeit und Gelegenheit bekommen. Legen Sie etwas Heu oder ein paar Leckerlis hinein – und beobachten Sie, was passiert.

Pferde mit Verladeangst

Bei Pferden, die bereits traumatische Erfahrungen gemacht haben, ist besondere Sensibilität gefragt. Hier brauchen Sie noch mehr Geduld und möglicherweise professionelle Unterstützung. Ein erfahrener Trainer kann Ihnen helfen, die genauen Auslöser der Angst zu identifizieren und einen individuellen Trainingsplan zu erstellen.

Für solche Pferde empfiehlt es sich, den Anhänger zunächst komplett aus dem Training zu nehmen. Arbeiten Sie stattdessen an der grundlegenden Beziehung, an der Reaktion auf Ihre Hilfen und an der Gelassenheit in neuen Situationen. Erst wenn diese Basis stabil ist, nähern Sie sich dem Anhänger – in noch kleineren Schritten als beim normalen Training.

Sicherheit beim Verladetraining

Sicherheit hat beim Arbeiten mit Pferden immer Vorrang. Ein 500 Kilogramm schweres Fluchttier auf einer Metallrampe birgt Risiken, die Sie ernst nehmen sollten. Mit der richtigen Vorbereitung minimieren Sie diese Risiken deutlich.

  • Tragen Sie immer festes Schuhwerk – idealerweise Sicherheitsschuhe mit Stahlkappe

  • Verwenden Sie ein stabiles Halfter und einen langen Führstrick – ein Sicherheitshalfter mit Panikhaken bietet zusätzlichen Schutz

  • Führen Sie niemals den Strick um Ihre Hand – bei einer Fluchtreaktion könnten Sie mitgerissen werden

  • Trainieren Sie nach Möglichkeit nicht allein – eine zweite Person kann im Notfall helfen

  • Sichern Sie den Anhänger gegen Wegrollen – Keile unter den Rädern und angezogene Bremse

  • Überprüfen Sie den Anhängerboden auf Stabilität – morsche Stellen können brechen

Auch das richtige Transportzubehör gehört zur Sicherheit. Transportgamaschen schützen die Pferdebeine vor Verletzungen. Transportdecken bewahren vor Zugluft. Schweifschützer verhindern, dass Ihr Pferd sich den Schweif am Anhänger aufscheuert. All diese Ausrüstungsgegenstände sollten jedoch erst zum Einsatz kommen, wenn Ihr Pferd den Anhänger bereits entspannt betritt. Andernfalls überfordern Sie es mit zu vielen neuen Reizen gleichzeitig.

Verladetraining in den Alltag einbauen

Das beste Verladetraining findet regelmäßig und ohne besonderen Anlass statt. Machen Sie es zu einer normalen Routine – so wie Putzen oder Führen. Wenn Ihr Pferd regelmäßig auf den Anhänger steigt und wieder heruntergeht, wird der Vorgang zur Selbstverständlichkeit.

Eine bewährte Methode ist das sogenannte „Anhänger-Picknick“. Stellen Sie den Anhänger offen auf das Gelände und füttern Sie Ihr Pferd darin. Das Pferd verbindet den Anhänger mit etwas Positivem – nämlich Futter. Nach einigen Wochen wird es von sich aus in den Anhänger gehen, sobald es ihn sieht.

Kurze Fahrten um den Block können ebenfalls helfen. Dabei lernt Ihr Pferd, dass Anhängerfahrten harmlos sind und immer wieder zum vertrauten Stall zurückführen. Achten Sie bei den ersten Fahrten auf besonders ruhige, gleichmäßige Fahrweise. Vermeiden Sie abruptes Bremsen und enge Kurven. Ihr Pferd muss im Anhänger das Gleichgewicht halten – das ist anstrengend und benötigt Übung.

Checkliste für Ihr erstes Verladetraining

Hier finden Sie eine praktische Übersicht, mit der Sie Ihr erstes Training vorbereiten können. Gehen Sie die Punkte vor dem Training durch, damit Sie nichts vergessen.

  • Anhänger auf ebenem, festem Untergrund abstellen

  • Rampe herunterklappen und auf Rutschfestigkeit prüfen

  • Innenraum hell und einladend gestalten – Fenster öffnen, Einstreu einstreuen

  • Trennwand zur Seite schwenken, damit der Raum größer wirkt

  • Belohnungen bereitlegen – Leckerlis, Heu oder Lieblingssnack

  • Festes Schuhwerk und Handschuhe anziehen

  • Halfter und langen Führstrick anlegen

  • Zeitdruck vermeiden – mindestens eine Stunde einplanen

  • Zweite Person informieren oder zum Helfen bitten

  • Eigene Erwartungen herunterschrauben – jeder kleine Schritt zählt

Diese Liste hilft Ihnen, strukturiert vorzugehen. Gleichzeitig erinnert sie daran, dass Vorbereitung die halbe Miete ist. Ein gut vorbereitetes Training verläuft entspannter für alle Beteiligten.

Häufig gestellte Fragen zum Verladetraining

Wie lange dauert es, bis mein Pferd gelassen einsteigt?

Das hängt stark vom einzelnen Pferd ab. Manche Pferde steigen nach wenigen Tagen entspannt ein. Andere benötigen mehrere Wochen oder sogar Monate. Pferde mit negativen Vorerfahrungen benötigen in der Regel länger als unerfahrene Pferde. Entscheidend ist nicht die Geschwindigkeit, sondern die Qualität des Trainings.

Kann ich das Verladetraining alleine durchführen?

Grundsätzlich ja, aber eine zweite Person erhöht die Sicherheit deutlich. Gerade bei den ersten Versuchen ist es hilfreich, wenn jemand den Anhänger sichert oder im Notfall eingreifen kann. Wenn Sie alleine arbeiten, achten Sie besonders auf die Sicherheitsvorkehrungen.

Mein Pferd steigt ein, will aber nicht stehen bleiben – was tun?

Das ist ein typisches Zeichen dafür, dass Ihr Pferd den Anhänger bisher nicht als sicheren Ort empfindet. Gehen Sie einen Schritt zurück und verlängern Sie die Standzeit ganz langsam. Füttern Sie Heu im Anhänger, damit Ihr Pferd beschäftigt ist und positive Verknüpfungen bildet. Schließen Sie die Klappe erst, wenn das Pferd auch bei offener Klappe ruhig steht.