Ihre Stallkollegin sagt beiläufig: „Dein Pferd geht nicht ganz taktrein." Sie schauen Ihr Pferd an und sehen – nichts Auffälliges. Trotzdem macht sich ein mulmiges Gefühl breit. War da wirklich etwas? Genau diese Situation erleben viele Pferdebesitzer regelmäßig. Lahmheiten beim Pferd zu erkennen, ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, die Sie als Reiter entwickeln können. Denn Pferde zeigen Schmerzen oft sehr dezent. Wer früh hinschaut, kann sein Pferd vor schlimmeren Schäden bewahren.

In diesem Artikel lernen Sie Schritt für Schritt, wie Sie Bewegungsauffälligkeiten bei Ihrem Pferd bemerken. Dafür brauchen Sie kein tiermedizinisches Studium. Ein aufmerksamer Blick und etwas Grundwissen reichen für den Anfang aus. Wir beginnen mit den einfachsten Beobachtungen und arbeiten uns zu den Details vor.

Was bedeutet „Lahmheit" eigentlich?

Eine Lahmheit ist eine Störung im normalen Bewegungsablauf des Pferdes. Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Blase am Fuß. Automatisch belasten Sie den schmerzenden Fuß weniger und treten kürzer auf. Genauso reagiert ein Pferd, wenn es Schmerzen hat. Es versucht, die betroffene Stelle zu entlasten, und verändert dadurch seinen Gang.

Wichtig zu verstehen: Lahmheit ist keine eigenständige Krankheit. Sie ist ein Symptom – also ein Hinweis darauf, dass im Bewegungsapparat etwas nicht stimmt. Die Ursache kann im Huf liegen, im Gelenk, in einer Sehne oder sogar im Rücken. Deshalb gehört das Erkennen von Gangstörungen zu den zentralen Themen der Pferdegesundheit und Veterinärbedarf. Nur wenn Sie die Lahmheit sehen, können Sie reagieren und Ihrem Pferd helfen.

Drei Dinge sollten Sie sich von Anfang an merken:

  • Pferde zeigen Schmerzen subtil – ein leichtes Kopfnicken kann bereits auf eine Lahmheit hindeuten.

  • Lahmheiten betreffen nicht nur alte oder kranke Pferde – auch junge, sportlich genutzte Pferde lahmen regelmäßig.

  • Frühes Erkennen spart Ihrem Pferd Leid und Ihnen hohe Tierarztkosten.

Die zwei Hauptformen der Lahmheit

Tierärzte unterscheiden bei einer Gangstörung zwei grundlegende Formen. Beide zeigen sich unterschiedlich, und beide zu kennen, hilft Ihnen enorm bei der Beurteilung.

Stützbeinlahmheit – Schmerzen beim Auftreten

Bei einer Stützbeinlahmheit hat das Pferd Schmerzen, wenn es das betroffene Bein belastet. Denken Sie wieder an die Blase am Fuß: Beim Auftreten tut es weh, also entlasten Sie diesen Fuß schnell wieder. Genauso macht es Ihr Pferd. Es verkürzt die Zeit, in der das schmerzende Bein Gewicht trägt. Dadurch entsteht ein ungleichmäßiger Takt.

Bei Vorderhandlahmheiten erkennen Sie das am typischen Kopfnicken. Das Pferd hebt den Kopf, wenn das lahme Bein auftritt, und senkt ihn, wenn das gesunde Bein aufkommt. Der Kopf funktioniert dabei wie ein Gegengewicht. So verlagert das Pferd seinen Schwerpunkt weg vom schmerzenden Bein. Häufige Ursachen sind Hufprobleme, Gelenkerkrankungen oder Sehnenschäden.

Hangbeinlahmheit – Schmerzen beim Vorschwingen

Bei einer Hangbeinlahmheit hat das Pferd Schwierigkeiten, das Bein nach vorn zu bringen. Die Schwungphase – also der Moment, in dem das Bein in der Luft ist – bereitet Schmerzen. Das Pferd schwingt das betroffene Bein weniger weit vor. Der Schritt wird auf dieser Seite kürzer.

Stellen Sie sich vor, Sie tragen eine schwere Tasche in einer Hand. Ihr Arm auf dieser Seite schwingt beim Gehen kaum noch mit. Ähnlich sieht eine Hangbeinlahmheit aus. Oft liegen die Ursachen in der Muskulatur, in Gelenken der oberen Gliedmaße oder in Problemen an der Schulter beziehungsweise Hüfte. Diese Form ist für Laien häufig schwerer zu erkennen als die Stützbeinlahmheit.

Das Wichtigste in Kürze: Bei der Stützbeinlahmheit schmerzt das Auftreten – erkennbar am Kopfnicken. Bei der Hangbeinlahmheit schmerzt das Vorschwingen – erkennbar am verkürzten Schritt. Beide Formen erfordern eine tierärztliche Abklärung.

Gangbild beurteilen: So beobachten Sie Ihr Pferd richtig

Die Grundlage für jede Lahmheitsbeurteilung ist die aufmerksame Beobachtung des Gangbildes. Das Gangbild beschreibt, wie Ihr Pferd sich bewegt – den Rhythmus, die Schrittlänge und die Symmetrie. Als Anfänger beginnen Sie am besten mit dem Schritt und dem Trab. Im Trab sind Lahmheiten oft deutlicher sichtbar, weil das Pferd diagonal auffußt.

Lassen Sie Ihr Pferd von einer zweiten Person auf hartem, ebenem Boden im Trab vorführen. Stellen Sie sich frontal davor und beobachten Sie den Kopf. Nickt das Pferd bei jedem Schritt gleichmäßig? Dann ist alles in Ordnung. Nickt es bei einem bestimmten Bein stärker ab? Dann liegt hier möglicherweise ein Problem vor.

Anschließend beobachten Sie von der Seite. Achten Sie darauf, ob beide Vorderbeine gleich weit vorgreifen. Schauen Sie auch, ob die Hinterbeine symmetrisch unter den Körper treten. Ungleichmäßigkeiten sind ein Warnsignal.

Worauf genau Sie achten sollten

  • Kopfbewegung: Nickt der Kopf rhythmisch ab, wenn ein bestimmtes Vorderbein auffußt?

  • Kruppenasymmetrie: Wippt die Kruppe (der hintere Rückenbereich) auf einer Seite stärker als auf der anderen?

  • Schrittlänge: Greift ein Bein deutlich kürzer vor als das gegenüberliegende?

  • Taktgleichmäßigkeit: Klingt der Hufschlag auf beiden Seiten gleich, oder gibt es hörbare Unterschiede?

  • Muskelanspannung: Wirkt das Pferd auf einer Seite steifer oder verspannter?

Ein hilfreicher Trick: Filmen Sie Ihr Pferd mit dem Smartphone. In Zeitlupe lassen sich Asymmetrien viel leichter erkennen als mit bloßem Auge. Schauen Sie sich das Video mehrfach an und konzentrieren Sie sich jedes Mal auf einen anderen Körperbereich.

Wo sitzt das Problem? Die Lahmheit lokalisieren

Wenn Sie eine Bewegungsunregelmäßigkeit festgestellt haben, kommt die nächste Frage: Welches Bein ist betroffen? Bei der Vorderhand hilft Ihnen das Kopfnicken. Merken Sie sich die Faustregel: Das Pferd hebt den Kopf, wenn das lahme Bein aufkommt. Bei der Hinterhand achten Sie auf die Kruppe. Die Hüfte der lahmen Seite sackt weniger ab – oder anders ausgedrückt: Die gesunde Seite senkt sich stärker.

Für Anfänger ist das zunächst verwirrend. Deshalb hilft ein einfacher Merksatz: „Kopf hoch – gleiches Bein lahm." Wenn das Pferd den Kopf hebt, während das rechte Vorderbein auftritt, ist rechts vorn die betroffene Seite. Bei der Hinterhand ist es umgekehrt: Die Hüfte der lahmen Seite geht nach oben.

Beugeprobe und Zirkelarbeit

Professionelle Lahmheitsuntersuchungen nutzen zusätzliche Methoden. Die Beugeprobe gehört zu den wichtigsten Werkzeugen des Tierarztes. Dabei wird ein Gelenk für etwa eine Minute gebeugt und das Pferd anschließend sofort angetrabt. Zeigt es danach eine deutlichere Lahmheit, deutet das auf ein Problem in diesem Gelenkbereich hin.

Auch das Longieren auf engem Zirkel liefert wertvolle Hinweise. Viele Lahmheiten verstärken sich auf der gebogenen Linie. Denn auf dem Zirkel wird das innere Bein stärker belastet. Lahmt das Pferd auf der linken Hand stärker, liegt das Problem oft am linken inneren Bein. Diese Beobachtungen teilen Sie dann Ihrem Tierarzt mit – sie helfen enorm bei der Diagnose.

Zwischenfazit: Die Lokalisierung einer Lahmheit erfordert systematisches Beobachten. Beginnen Sie immer geradeaus auf hartem Boden. Anschließend testen Sie auf weichem Boden und auf dem Zirkel. Jede Veränderung liefert einen Hinweis.

Häufige Ursachen für Lahmheiten beim Pferd

Hinter einer Lahmheit können zahlreiche Auslöser stecken. Manche sind harmlos und verschwinden von selbst. Andere erfordern eine umfangreiche Behandlung. Damit Sie ein besseres Gespür entwickeln, stellen wir die häufigsten Ursachen vor.

Probleme im Hufbereich

Der Huf ist die häufigste Quelle für Lahmheiten. Ein eingeklemmter Stein in der Strahlfurche kann bereits ausreichen. Hufabszesse – das sind Eiteransammlungen im Huf – verursachen oft plötzliche, starke Lahmheiten. Auch ein schlechter Beschlag oder zu lange Ausschneidintervalle können das Gangbild verändern. Deshalb sind eine regelmäßige Hufpflege und ein fachgerechter Hufbeschlag so entscheidend für ein gesundes Pferd.

Sehnen- und Bänderschäden

Sehnen verbinden Muskeln mit Knochen und übertragen Kraft auf die Gelenke. Bei Überlastung können sie sich entzünden, anreißen oder im schlimmsten Fall reißen. Ein typisches Zeichen ist eine warme, geschwollene Stelle am Bein. Sehnenschäden an der Beugesehne erkennen Sie oft als Verdickung an der Rückseite des Röhrbeins.

Gelenkerkrankungen

Arthrose, also der Verschleiß von Gelenkknorpel, kommt bei Pferden häufiger vor als viele denken. Besonders ältere Pferde und Sportpferde sind betroffen. Typisch ist eine Lahmheit, die sich zu Beginn der Bewegung zeigt und nach einigen Minuten besser wird. Man spricht von einer sogenannten „Einlauflahmheit". Gelenkprobleme gehören zu den häufigen Pferdekrankheiten und erfordern oft eine langfristige Betreuung.

Rückenprobleme

Nicht jede Lahmheit hat ihren Ursprung in den Beinen. Rückenprobleme können das Gangbild erheblich beeinflussen. Ein schlecht passender Sattel, muskuläre Verspannungen oder Wirbelblockaden führen zu einer eingeschränkten Beweglichkeit. Oft zeigt sich das in einem steifen, kurzen Schritt oder in der Unwilligkeit, sich korrekt zu biegen. Hier können Pferde-Osteopathie oder Pferde-Physiotherapie unterstützend helfen.

Ursache

Typische Anzeichen

Wie dringend?

Stein im Huf

Plötzliche Lahmheit, nach Entfernung sofortige Besserung

Selbst behebbar

Hufabszess

Starke, akute Lahmheit, warmer Huf, erhöhter Puls an der Fessel

Tierarzt / Hufschmied zeitnah

Sehnenschaden

Schwellung, Wärme, Druckempfindlichkeit am Bein

Tierarzt zeitnah

Arthrose

Einlauflahmheit, Steifheit zu Beginn der Bewegung

Tierärztliche Abklärung planen

Rückenproblem

Steifer Gang, Widerwille gegen Biegung, Sattelzwang

Therapeut / Tierarzt konsultieren

Schritt-für-Schritt-Anleitung: So gehen Sie bei Verdacht auf Lahmheit vor

Sie haben den Eindruck, dass Ihr Pferd nicht ganz rund läuft? Dann gehen Sie am besten systematisch vor. Hektik hilft jetzt nicht. Stattdessen helfen Ruhe und ein klarer Plan.

  1. Ruhe bewahren und beobachten: Schauen Sie Ihr Pferd im Schritt und im Trab auf hartem, ebenem Boden an. Lassen Sie es von jemand anderem vorführen, damit Sie sich ganz auf das Beobachten konzentrieren können.

  2. Video aufnehmen: Filmen Sie das Pferd von vorn, von der Seite und von hinten. So können Sie das Gangbild später in Ruhe analysieren und dem Tierarzt zeigen.

  3. Beine abtasten: Fühlen Sie alle vier Beine systematisch von oben nach unten ab. Achten Sie auf Wärme, Schwellungen, Druckempfindlichkeit oder Pulsation an der Fessel.

  4. Hufe kontrollieren: Nehmen Sie jeden Huf auf und reinigen Sie die Sohle mit dem Hufkratzer. Prüfen Sie, ob Steine eingeklemmt sind, ob die Eisen fest sitzen und ob die Sohle empfindlich reagiert.

  5. Auf weichem Boden testen: Manche Lahmheiten verschwinden auf weichem Boden, andere werden deutlicher. Der Vergleich liefert dem Tierarzt wichtige Hinweise.

  6. Auf dem Zirkel bewegen: Longieren Sie das Pferd auf beiden Händen und beobachten Sie, ob die Lahmheit auf einer Seite stärker wird.

  7. Ergebnisse dokumentieren: Notieren Sie, welches Bein betroffen scheint, auf welchem Boden es schlimmer wird und seit wann Sie die Veränderung bemerken. Diese Informationen sind Gold wert für Ihren Tierarzt.

Nach diesen sieben Schritten haben Sie eine solide Grundlage für das Gespräch mit dem Fachmann. Bitte behandeln Sie Ihr Pferd nicht selbst mit Schmerzmitteln. Medikamente können die Symptome verschleiern und eine korrekte Diagnose erschweren.

Typische Anfängerfehler beim Erkennen von Lahmheiten

Wer zum ersten Mal versucht, eine Gangstörung zu beurteilen, tappt in einige klassische Fallen. Diese Fehler sind menschlich und kein Grund zur Scham. Wichtig ist, sie zu kennen und daraus zu lernen.

Fehler 1: Nur im Stand beurteilen. Im Stand sehen Sie keine Lahmheit. Ein Pferd kann schwer lahm sein und trotzdem normal stehen. Beurteilen Sie den Bewegungsablauf immer in der Bewegung – mindestens im Trab.

Fehler 2: Auf zu weichem Boden testen. Weicher Sandboden dämpft viele leichte Lahmheiten ab. Beginnen Sie deshalb immer auf hartem, ebenem Untergrund. Asphalt oder fester Hallenboden eignen sich gut für die erste Beurteilung.

Fehler 3: Das falsche Bein identifizieren. Viele Anfänger verwechseln das lahme mit dem gesunden Bein. Der Grund: Sie schauen auf das Bein, das stärker auffällt. Das ist aber oft das gesunde Bein, weil es die Mehrarbeit übernimmt. Denken Sie an den Merksatz „Kopf hoch – gleiches Bein lahm".

Fehler 4: Abwarten und hoffen. „Vielleicht hat es sich nur vertreten" – dieser Gedanke ist verständlich. Doch wenn eine Bewegungsunregelmäßigkeit länger als zwei Tage besteht, sollten Sie handeln. Frühzeitiges Eingreifen verhindert, dass aus einem kleinen Problem ein großes wird.

Fehler 5: Das Pferd unter Schmerzmitteln reiten. Manche Pferdebesitzer geben ein Schmerzmittel und reiten dann weiter. Das ist gefährlich. Ohne Schmerzempfinden belastet das Pferd die verletzte Struktur voll – und verschlimmert den Schaden erheblich.

Wann muss der Tierarzt kommen?

Nicht jede leichte Taktunreinheit erfordert sofort einen Notfalleinsatz. Es gibt aber klare Situationen, in denen Sie nicht zögern sollten.

  • Ihr Pferd belastet ein Bein gar nicht mehr oder nur noch minimal.

  • Sie sehen eine deutliche Schwellung, starke Wärme oder eine offene Wunde am Bein.

  • Die Lahmheit ist plötzlich und stark aufgetreten – ohne erkennbare äußere Ursache.

  • Das Pferd zeigt zusätzliche Krankheitssymptome wie Fieber, Appetitlosigkeit oder Apathie.

  • Eine leichte Lahmheit besteht seit mehr als 48 Stunden ohne Besserung.

In all diesen Fällen gehört der Tierarzt ans Pferd. Im Bereich der Pferdegesundheit und Veterinärmedizin gilt die Regel: Lieber einmal zu viel anrufen als einmal zu wenig. Die meisten Tierärzte schätzen aufmerksame Pferdebesitzer, die frühzeitig Bescheid geben. Bereiten Sie für den Tierarztbesuch Ihre Notizen und Videos vor. Beschreiben Sie möglichst genau, wann die Lahmheit aufgefallen ist, ob sie schlimmer wird und welches Bein Ihrer Einschätzung nach betroffen ist.

Vorbeugung: Was Sie selbst tun können

Viele Lahmheiten lassen sich durch gutes Management vermeiden oder zumindest frühzeitig erkennen. Als Pferdebesitzer haben Sie mehr Einfluss, als Sie vielleicht denken.

Tägliche Routine etablieren

Gewöhnen Sie sich an, Ihr Pferd jeden Tag kurz in der Bewegung zu beobachten. Schon auf dem Weg von der Box zur Koppel verrät der Gang viel über den Zustand Ihres Pferdes. Wenn Sie das Gangbild im Normalzustand kennen, fallen Veränderungen sofort auf. Das ist wie bei einem Bekannten: Wenn jemand anders geht als sonst, bemerken Sie das intuitiv.

Ergänzen Sie die Beobachtung durch regelmäßiges Abtasten der Beine. Machen Sie es zum festen Bestandteil des Putzens. Streichen Sie mit den Händen von der Schulter beziehungsweise der Hüfte bis zum Huf. So spüren Sie Wärmeunterschiede oder Verdickungen sofort. Das dauert pro Bein nur eine halbe Minute und kann entscheidend sein.

Professionelle Vorsorge nutzen

Regelmäßige Termine mit dem Hufschmied oder Hufpfleger gehören zu den wichtigsten Vorsorgemaßnahmen. Ein korrekter Hufbeschlag unterstützt den gesamten Bewegungsapparat. Abgelaufene Eisen oder zu lange Hufe verändern die Gliedmaßenstellung und belasten Sehnen und Gelenke falsch.

Auch die Zusammenarbeit mit einem Pferdephysiotherapeuten oder Osteopathen kann sinnvoll sein. Diese Fachleute ertasten Verspannungen und Blockaden, bevor sie zu echten Lahmheiten führen. Gleichzeitig unterstützen sie den Muskelaufbau und die Beweglichkeit. Gerade nach längeren Stehpausen oder bei Pferden mit bekannten Vorerkrankungen ist das ein wertvoller Beitrag zur Gesunderhaltung.

Beinschutz und Aufwärmen

Verwenden Sie beim Training passenden Beinschutz. Gamaschen und Bandagen schützen Sehnen und Gelenke vor Stößen und übermäßiger Belastung. Besonders beim Springtraining oder auf unebenem Boden ist dieser Schutz wichtig. Achten Sie darauf, dass der Beinschutz korrekt sitzt und nicht zu fest oder zu locker angebracht ist.

Und unterschätzen Sie niemals die Bedeutung einer guten Aufwärmphase. Mindestens zehn Minuten Schritt reiten vor jeder intensiveren Arbeit wärmen Sehnen, Bänder und Muskeln auf. Das senkt das Verletzungsrisiko deutlich – vergleichbar mit dem Dehnen vor dem Joggen.

Zwischenfazit: Vorbeugung besteht aus drei Ebenen – der täglichen Beobachtung, der professionellen Vorsorge durch Hufschmied und Therapeuten sowie dem durchdachten Training mit Beinschutz und Aufwärmroutine.

Der Zusammenhang zwischen Lahmheiten und anderen Gesundheitsthemen

Lahmheiten stehen selten isoliert. Sie hängen eng mit anderen Bereichen der Pferdegesundheit und Veterinärmedizin zusammen. Ein Beispiel: Zahnprobleme können dazu führen, dass ein Pferd schief kaut. Die einseitige Kieferbelastung überträgt sich auf den Nacken, dann auf den Rücken – und am Ende tritt eine Hinterhandlahmheit auf. Weshalb regelmäßige Zahnpflege beim Pferd indirekt auch die Gliedmaßengesundheit beeinflusst.

Auch die Fütterung spielt eine Rolle. Eine Überversorgung mit Kraftfutter kann bei manchen Pferden Hufrehe auslösen – eine schmerzhafte Entzündung im Huf, die zu schweren Lahmheiten führt. Dadurch wird deutlich, dass Bewegungsauffälligkeiten oft ein Gesamtbild zeichnen, das über das einzelne Bein hinausgeht.

Wenn bei Ihrem Pferd alternative Heilmethoden wie Akupunktur zum Einsatz kommen, ergänzen diese die schulmedizinische Diagnostik. Sie ersetzen sie jedoch nicht. Gerade bei unklaren Lahmheiten kann eine Kombination aus tierärztlicher Untersuchung und ergänzenden Therapien besonders wirksam sein.

Ihre Checkliste für den Alltag

Drucken Sie sich diese Liste aus und hängen Sie sie an Ihren Spind im Stall. So entwickeln Sie Routine bei der Lahmheitsbeurteilung.

  • Beobachten Sie Ihr Pferd beim täglichen Führen im Schritt.

  • Tasten Sie die Beine beim Putzen auf Wärme und Schwellungen ab.

  • Kontrollieren Sie die Hufe täglich auf Steine, Risse und festen Beschlag.

  • Traben Sie Ihr Pferd einmal pro Woche auf hartem Boden vor.

  • Achten Sie beim Reiten auf Taktunreinheiten und Widerwillen bei bestimmten Lektionen.

  • Dokumentieren Sie Auffälligkeiten schriftlich mit Datum.

  • Halten Sie Telefonnummern von Tierarzt und Hufschmied griffbereit.

Die fünf wichtigsten Punkte auf einen Blick

  1. Lahmheit ist ein Symptom, keine Krankheit. Sie zeigt an, dass im Bewegungsapparat Schmerzen oder ein mechanisches Problem bestehen.

  2. Das Kopfnicken verrät das lahme Vorderbein. Der Kopf geht hoch, wenn das schmerzende Bein auffußt – merken Sie sich: „Kopf hoch, gleiches Bein lahm".

  3. Harter, ebener Boden ist Ihr bester Untergrund für die Beurteilung. Beginnen Sie immer dort und ergänzen Sie durch Zirkelarbeit und weichen Boden.

  4. Früherkennung schützt vor schweren Schäden. Tägliches Beobachten und Abtasten kosten kaum Zeit und bringen enorm viel.

  5. Im Zweifel immer den Tierarzt rufen. Laien können eine Lahmheit feststellen, aber die Ursache zu diagnostizieren, gehört in professionelle Hände.

Nächste Schritte für Sie als Anfänger

Beginnen Sie heute damit, Ihr Pferd bewusster zu beobachten. Nehmen Sie sich beim nächsten Stallbesuch fünf Minuten Zeit und schauen Sie Ihrem Pferd im Schritt und Trab zu. Versuchen Sie, den normalen Takt zu erfassen. Das ist Ihr persönlicher Referenzwert. Je besser Sie das gesunde Gangbild kennen, desto schneller fallen Veränderungen auf.

Vertiefen Sie Ihr Wissen über den Bewegungsapparat, indem Sie sich mit verwandten Themen beschäftigen. Hufpflege, Sattelpassform und Muskelaufbautraining sind eng mit der Lahmheitsprävention verknüpft. All diese Bereiche greifen ineinander – weshalb sich Ihr gesamtes Pferdewissen durch die Beschäftigung mit einem einzelnen Thema erweitert.

Und trauen Sie Ihrem Bauchgefühl. Wenn Sie das Empfinden haben, dass etwas nicht stimmt, haben Sie meistens recht. Ihr Pferd verlässt sich darauf, dass Sie hinschauen. Denn im Gegensatz zu uns Menschen kann es nicht sagen, wo es wehtut.

Häufig gestellte Fragen

Kann ein Pferd lahmen, ohne dass ich es sehe?

Ja, absolut. Sehr geringgradige Lahmheiten – sogenannte Taktunreinheiten – sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen. In solchen Fällen hilft eine Videoanalyse in Zeitlupe. Manche Tierarztpraxen nutzen zusätzlich sensorbasierte Ganganalysesysteme, die selbst kleinste Asymmetrien messen.

Mein Pferd lahmt nur unter dem Reiter – ist das möglich?

Ja, das kommt vor. Das Gewicht des Reiters erhöht die Belastung auf Gelenke und Sehnen. Dadurch können Lahmheiten sichtbar werden, die ohne Reitergewicht unauffällig bleiben. Auch ein schlecht passender Sattel kann Rückenschmerzen verursachen, die sich als Lahmheit äußern.

Wie unterscheide ich eine echte Lahmheit von einer Rittigkeitsstörung?

Eine Rittigkeitsstörung zeigt sich meist nur unter dem Reiter und verschwindet an der Hand. Eine echte Lahmheit ist auch beim Vortraben am Strick sichtbar. Allerdings kann eine Rittigkeitsstörung auch schmerzbedingt sein – beispielsweise durch Rückenprobleme. Im Zweifel sollte ein Tierarzt klären, ob Schmerzen die Ursache sind.

Darf ich mein Pferd bei leichter Lahmheit noch bewegen?

Das hängt von der Ursache ab. Bei manchen Problemen, wie leichter Arthrose, kann kontrollierte Bewegung sogar hilfreich sein. Bei Sehnenschäden hingegen ist Boxenruhe entscheidend. Bewegen Sie Ihr Pferd bei unklarer Lahmheit deshalb nur im Schritt auf ebenem Boden, bis der Tierarzt eine Diagnose gestellt hat.

Wie oft sollte ich mein Pferd auf Lahmheiten überprüfen?

Idealerweise beobachten Sie den Gang Ihres Pferdes bei jedem Stallbesuch beiläufig. Eine gründlichere Überprüfung – mit Vortraben auf hartem Boden und Abtasten der Beine – empfiehlt sich einmal pro Woche. Vor und nach intensiven Trainingseinheiten lohnt sich ein zusätzlicher kurzer Check.